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Der weibliche Zyklus

Ich muss gestehen, mein Zyklus hat mich früher nie sonderlich interessiert oder in irgendeiner Form großartig eingeschränkt. Okay, manchmal denke ich mir "Muss das jetzt ausgerechnet sein?! Perfektes Timing!", aber von physischen und psychischen Problemen bin ich nie sonderlich betroffen, deshalb schenkte ich dem Wechselspiel der Hormone auch recht wenig Bedeutung. Für mich fühlt sich nur am Tag Nr.1 der Blutung (= 1. Tag vom Zyklus) mein Bauch etwas aufgebläht an und ca. einmal im Quartal habe ich auch etwas stärkere Unterleibsschmerzen, aber es ist nichts was mich tatsächlich einschränkt. Auf ein Training verzichte ich dann zwar an diesem Tag, aber davon geht ja nun wirklich die Welt nicht unter. Doch was passiert eigentlich in unserem Monatszyklus?

Warum sind wir Frauen an manchen Tagen etwas dünnhäutiger, sensibler, gefühlsbetonter oder bekommen auf einmal so eine Heißhunger Attacke, das wir selbst im dicksten Regen mitten in der Nacht noch schnell zur Tankstelle was Süßes kaufen fahren... oder in weiser Voraussicht, der Mann. *zwinker* 

 

Doch Dein Zyklus ist nicht nur ein lästiges Übel, sondern er möchte Dir auch etwas mitteilen. Deine Periode ist Ausdruck Deiner Gesundheit. Ist Dein Körper gesund und mit sich im Gleichgewicht, findet Dein Zyklus regelmäßig und ohne (starke) begleitende Symptome statt.  

 

Wissenswertes zum weiblichen Zyklus:

Die erste Regelblutung (Menarche) setzt im Alter von 11-14 Jahren ein. Als natürliche Zykluslänge gilt ein Zeitraum zwischen 23 und 35 Tagen, im Durchschnitt sind es 27 Tage. Durch die Einnahme der Pille kommt es zum planbaren 28-Tage-Zyklus. Doch das ist kein natürlicher Zeitplan, da dieser konstante Zyklus durch künstliche Hormone herbeigeführt wurde. Völlig normal und laut Studie auch bei mehr als 50% der Frauen ist eine monatliche Schwankung um bis zu sieben Tagen. Von Geburt an haben wir Frauen eine Anlage von ca. 400.000 Follikeln (Eibläschen) in den Eierstöcken. Der Follikel ist die Hülle, in der die Eizelle heranreift. Meist schafft davon nur eins den Eisprung, woraus dann die Eizelle entsteht, die befruchtet werden kann. Bis zum 40. Lebensjahr kommt es zum Verlust von 250.000-350.000 Follikeln. Bei Eintritt in die Menopause (= Ende der fruchtbaren Zeit), bzw. bei letzter spontanen Blutung, sind dann alle Follikel verbraucht. 

 

Wie schaut ein Zyklus aus? Man muss tatsächlich zwischen dem natürlichen Zyklus und dem unter Einnahme der Pille unterscheiden. Handelt es sich bei der Blutung im natürlichen Zyklus um die Menstruation (periodisch wiederkehrende Blutung durch Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut), spricht man beim Zyklus mit Pilleneinnahme von einer sogenannte Abbruchblutung. Der Körper reagiert auf die Hormon- bzw. Pillenpause und da kaum Gebärmutterschleimhaut aufgebaut wurde, fällt die Blutung auch deutlich schwächer aus.

Die Pille greift an oberster Stelle in den Hormonsyntheseweg ein und unterdrückt die körpereigene Hormonproduktion. Wie eine Pille wirkt, hängt unter anderem vom Gehalt der Gestagene und Östrogene ab. Die Minipille (oder auch Mikropille) besteht nur aus Gestagen und wird meist ohne Pillenpause eingenommen, dadurch kommt es zu sehr unregelmäßigen oder gar keinen Blutungen. Als Wirkstoff enthalten sie entweder das Gestagen-Hormon Levonorgestrel oder Desogestrel. Beide verhindern das sich der Schleim im Gebärmutterhals so verfestigt, das keine Spermien in die Gebärmutter eindringen können. Außerdem baut sich die Gebärmutterschleimhaut nur unzureichend auf, sodass sich eine befruchtete Eizelle nur schwer einnisten kann. Die etwas höher dosierte Minipille mit dem Hormon Desogestrel hemmt zusätzlich noch den Eisprung.

Die Kombi-Pille ist der Klassiker und beinhaltet beide synthetisch hergestellte Hormone: Östrogen und Gestagen. Das Kombinationspräparat verhindert, das der Hypothalamus (oberstes Regulations-zentrum im Gehirn) das Hormon Gonadrotopin produzieren kann. Kann dieses Hormon nicht aktiv werden, kann keine Eizelle heranreifen und es findet auch kein Eisprung statt. Das Östrogen in der Pille ist ebenfalls kein natürliches Hormon, sondern wird meist durch Ethinylestradiol ersetzt. 

 

Der Ablauf eines natürlichen Zyklus:

Erklärung: Einfachheitshalber findest Du in grafischen Übersichten immer den Zeitstrahl von 28 Tagen aufgeführt. Doch wie schon erwähnt und in Klammern auch oben vermerkt, können die beiden Phasen vor und nach dem Eisprung variieren. Die ersten 14 Tage VOR Deinem Eisprung nennt sich Follikelphase. In dieser Zeit baut sich Deine Gebärmutterschleimhaut, die bei der letzten Menstruation abgestoßen wurde, wieder neu auf. Die Hypophyse schüttet FSH aus, dadurch reifen ca. 20-25 Follikel im Eierstock heran und fangen an sich zu entwickeln. Die stimulierten Follikel produziert die Hormone Estradiol und Inhibin. Von den heranreifenden Follikeln ist in aller Regel nur "ein" dominanter Follikel (= Graaf-Follikel), woraus dann eine Eizelle entsteht. In den Wänden der Follikel wird das Hormon Östrogen produziert, dessen Level in den ersten Tagen noch sehr niedrig ist. Doch durch den Einfluss des Hormons FSH werden die Follikel in den Eierstöcken immer größer, weshalb auch der Östrogen und Estradiol-Spiegel in den Tagen vor dem Eisprung immer weiter ansteigt. Ovulationsphase, um den Eisprung herum. Aufgrund des weiter ansteigenden Östrogen-Spiegels schüttet die Hypophyse eine große Menge von LH aus. Dadurch platzt der Follikel, der am weitesten entwickelt ist. Die reife Eizelle, die sich in dem Follikel gebildet hat, macht sich über den Eileiter auf den Weg in die Gebärmutter und ist jetzt ca. 24 Stunden befruchtungsfähig. Die übrigen Eizellen, die es nicht geschafft haben, sich komplett zu entwickeln, sterben ab und werden ausgeschieden. Lutealphase (Gelbkörperphase), nach dem Eisprung, was aus dem Follikel übrig bleibt, entwickelt sich zum sogenannten Gelbkörper. Ab dem Zeitpunkt des Eisprungs ist die Konzentration des Hormons Progesteron deutlich erhöht. Progesteron baut jetzt Deine Gebärmutterschleimhaut weiter auf und sorgt auch für die Hemmung des Hormons GnRH. Wird die Bildung dieses Hormons gehemmt, können auch die Hormone FSH und LH nicht mehr freigesetzt werden. Das heißt, aktuell kann keine neue Eizelle mehr heranreifen und der Östrogen-spiegel nimmt automatisch wieder ab. Nach erfolgreicher Befruchtung wird hCG, das "Schwanger-schaftshormon" ausgeschüttet. Der Gelbkörper bleibt funktionsfähig und produziert Progesteron. Wurde die Eizelle hingegen nicht befruchtet (= keine Schwangerschaft), dann stirbt der Gelbkörper nach ca. 10 Tagen ab. Die Progesteron- und Estradiol- Konzentration sinkt stark und es kommt zu einem Zusammenziehen der Arterien in der Gebärmutter. Dadurch wird die Gebärmutterschleim-haut immer schlechter mit Sauerstoff versorgt und stirbt letztendlich ab. Sie wird ausgeschieden, was der Grund für Deine nächste Periode ist. Die Hormone GnRH, FSH und LH werden nicht mehr unterdrückt und der Zyklus beginnt von vorn: Aufbau Gebärmutterschleimhaut und Follikelreifung.

 

W&B / Ulrike Möhle (Apotheken Umschau)
W&B / Ulrike Möhle (Apotheken Umschau)

 

Der monatliche Zyklus wird über den Hypothalamus und die Hypophyse gesteuert.

 

Hypothalamus: Ausschüttung von GnRH

(Gonadotropin-Releasing-Hormon)

 

Durch GnRH wird die Hypophyse stimuliert FSH und LH auszuschütten. Dadurch kommt es zur Anregung des Eierstocks Testosteron, Estradiol und Progesteron zu bilden.

 

 

Das ich kein Pillenfreund bin, konntest Du schon in meinem letzten Artikel nachlesen. Ich finde es, gemessen an den gravierenden möglichen Nebenwirkungen sogar unfassbar, wenn diese so einfach hingenommen oder ignoriert werden. Heutzutage kann alles im Internet so bequem recherchiert und nachgelesen werden und trotzdem wird von vielen jungen Mädels und erwachsenen Frauen diese Chemiecocktails bedenkenlos geschluckt. Das Erwachen kommt dann vielleicht erst beim spontanen Kinderwunsch, wenn es nicht mehr so funktioniert, wie Mutter Natur es vorsieht. Oder wenn massive Stimmungsschwankungen die Beziehung zerstören, Dich Gewichtszunahme frustriert oder Du selbst feststellst, das Deine Libido auch schon mal aktiver war. Ich möchte jetzt gar nicht mit erhobenem Zeigefinger großartig belehren, das steht mir gar nicht zu Doch bekomme ich öfters aus Gesprächen diverse Befindlichkeiten mit. Geh einfach mal in Dich und sei ehrlich zu Dir selbst.   


 

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